salon international de l‘auto genève
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BlueEfficiency Blue Motion...blau Auto fahren scheint ganz klar ein Trend zu werden. Doch bevor hier Milliarden Leser zur Baldrianpackung greifen und - die nun ja auch blauen - Polizeibeamten sich genötigt fühlen meine Redaktion besuchen zu müssen, es handelt sich hier nicht um das Fahren unter Alkoholeinfluss es geht um Kraftstoff. Der soll gespart werden. Das ist ja nie verkehrt. Und weil sparen ja generell und in allen Bereichen im Trend ist, auch nur logisch. Vor allem weil der heutige Kraftstoff ja bekanntlich fossil ist. Und wo häuft sich die ganze Armada an Spritsparmeistern im März? - Richtig auf dem Automobilsalon am schönen Genfer See. Der Trend der letzten Jahre, in denen vereinzelte Hersteller vereinzelte, ja beinahe vereinsamte Sparmodelle präsentierten, hat langsam aber sicher auf alle Hersteller und alle Fahrzeugklassen übergegriffen und aus Indie-Autos wie Smart forfour und drei Liter Lupo sind Mainstreamkarren geworden. Und neben der Einsparung des schwarzen Goldes werden verstärkt alternative Antriebe entwickelt und zur Serienreife gebracht. Und welcher Buchstabe aus unserem Lateinischen Alphabet beschreibt diese Entwicklung besser als das E? Weil nämlich E wie Strom. Hier tut sich vor allem der Hybrid vor. Vom Mild-Hybrid über Plug-In bis hin zum Vollhybriden ist alles dabei was das Herz begehrt - und die Lunge. Das Angebot übersteigt die Klasse der Microcars dabei deutlich. Eher findet die Technik Einzug in die gehobeneren Fahrzeugmodelle à la Mercedes S-Klasse oder BMW Siebener. Frei nach dem Motto: Ich hab zwar ne Spießerkarre aber die achtundsechziger hab ich live miterlebt...im Fernsehn. Rein elektrisch fährt aber noch kaum ein Serienauto, denn entweder ist der Motor zu klein oder der Akku zu schwach aber auf jeden Fall zu teuer. Die Zukunft jedoch sieht wie immer rosig aus. Immerhin gibt es bald von jedem Hersteller das beste Auto der Welt. Gott sei dank.
Nächster Trend. Beinahe aus jedem Auto tagfahrlichtet es. BMW machte es vor mit ihren Angel-Eyes bevor Audi die Technik und Optik verfeinerte. Dem R8, A5 und A4 verpasste man eine unverkennbare, aggressive Frontansicht. Während der Versuch alle Modelle mit den LED Christbaumkerzen zu versehen schleichend aber immer deutlicher sichtbar misslang, zogen die anderen Hersteller nach. Wobei die zum Teil wie schlecht angeschraubte Baumarkt LEDs aussehenden Tagfahrspangen wohl bald ein Ende haben dürften. Sind doch die Weichen für eine komplette Leuchteinheit aus LEDs gestellt. Es stehen uns weiße Zeiten bevor.
Audi stellt derweil mal wieder einen e-tron auf seinen Messestand. (Wohlgemerkt, in Genf spricht man französisch und wie schon beim ersten e-tron auf der IAA zum Bericht >> festgestellt bedeutet dieser Name in eben jener Sprache soviel wie: ein kleines Stückchen Scheiße...liebe Audianer Wörterbücher helfen.) Dieses Mal aber kein elektrifiziertes R8 Derivat, sondern ein Auto vom anderen Ende der Preisskala: einen A1 e-tron. Vermutlich bedeutet e-tron auch gar nicht elektrifiziertes Fahrzeug sondern einfach nur Showcar. Davon gab in Genf, abgesehen von ein paar Ausnahmen wenige, die wirklich überzeugten. Hervorzuheben sind hier der Survolt von Citroën, ein sportlicher Ableger des Revolte mit Elektroantrieb, ein von Bertone entworfener Alfa, der durch seine riesigen, über die Radhäuser nach oben schwingenden Türen in keine Garage passt und der F800 von Mercedes-Benz. Ein Forschungsfahrzeug, dass sowohl als Plug-In Hybrid als auch mit einer Brennstoffzelle betrieben werden kann. Die Studie beeindruckt sowohl mit ihrer Linienführung als auch mit ihrem Tür- und Bedienungskonzept. Die neue Mercedes Designsprache verspricht alles andere als bieder zu werden. Selbst Porsche macht um das elektrifizierte Vorankommen keinen Bogen und zeigt sowohl einen sehr vielversprechende Studie eines Hybrid-Supersportwagen für die Straße, als auch eine Seriennahe Rennversion eines Hybrid-911ers. Dem VW-Mutterkonzern sei dank, denn hier findet der Hybrid Einzug in die Modellpalette, zunächst im neuen Tuareg. Auch Opel zeigte mit seiner Reiselimousine Flextreme GT/E mit Elektroantrieb einen gelungenen Ausblick auf die Zukunft der Marke mit dem Blitz und zeigt sich selbstbewusst und unbeeindruckt vom Tohuwabohu um die Finanzierung. Genauso wie Saab, die sich, wie schon beim aktuellen 9-3, mit dem neuen 9-5 optisch auf dem richtigen Weg zeigen und durchaus einen gewissen Optimismus um ihre Zukunft an den Tag legen dürfen.
Doch nicht alles am idyllischen Genfer See hat sich Anerkennung verdient. Vor allem die Veredler wie Hamann oder Brabus zeigen eindrucksvoll wie Autos nicht auszusehen haben und was in einer heutigen Zeit niemand mehr braucht. Auch stoßen dubiose Autoboote und orangene Batmobile auf Unverständnis und bleiben besser unkommentiert. Es braucht eben auch Autos die so daneben aussehen, damit jeder weiß wie gut selbst seine mittelmäßige Karre designtechnisch da steht. Auch ist der Elektroantrieb weiterhin mehr Zukunftsmusik und eher kleinserientauglich als massenkompatibel und so klangvoll ein hybrid mit range-extender auch sein mag, die Lösung aller Kraftstoffprobleme ist diese Technik auch nicht. Doch Schwarzmalerei hilft nicht weiter und auch die Automobilbranche scheint dies trotz schwierigen Zeiten so zu sehen. Und so darf man weiterhin gespannt und optimistisch in die Zukunft sehen. Man ist auf dem richtigen Weg.
Bilder der Ausstellung im Photobook >>
Freitag, 12. März 2010
Jean-Félix