Gisbert zu Knyphausen - Hurra! Hurra! So nicht.
Gisbert zu Knyphausen - Hurra! Hurra! So nicht.
Das erste Album ist immer besser als der Nachfolger! Beinahe schon ein Gesetz in der Musikindustrie. Doch wie heißt es so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. So auch bei Gisbert zu Knyphausen. Er bleibt zwar seiner Musik treu, hat aber insgesamt ein kompletteres Album aufgenommen. Eine ruhige Frische strahlt der Langspieler aus. Singer/Songwriter Musik, die trotz der melancholischen Einflüsse keinesfalls Trübsal verbreitetet. Das zweite Album wirkt sowohl musikalisch als auch lyrisch ausgereifter, erwachsener. Das Zusammenspiel aus Akkustik-Riffen und dezenten Bass- und Schalgzeug-Rhythmen die sich meist zum Ende des Leides steigern und zuweilen auch in verzerrte Powerchords und beckenlastigen Rockdrums übergehen, wirkt runder und gelungener als beim Debüt. Eine in gewisser Weise mystische Stimmung vermitteln die zum Teil dumpf aus dem Hintergrund klingenden Schlagzeugrhythmen mit den vom Reverb getragenen Gitarrenriffen. Wo der Vorgänger noch deutlich schwermütiger und vor allem schwerfälliger wirkte, setzen bei „Hurra! Hurra! So nicht.“ Basslines Akzente und verleihen der vom Stil her eigentlich sehr klassischen Gitarrenmusik einen durchaus modernen und frischen klanglichen Einschlag. So hebt sich das zweite Album vom allgemeinen Singer/Songwriter Pop ab und rückt näher an die Rock-Fraktion.
Trotzdem bleibt auch die zweite Platte von Gisbert zu Knyphausen frei von Tanzbarer Musik, was ihr jedoch keinerlei Abstriche zukommen lässt. Vielmehr hebt sie sich aus der Masse hervor. Sehr zum Gefallen nicht durch irgendeinen zweifelhaften und flüchtigen Trend, sondern mit einer gewissen Bodenständigkeit. Sich auf das besinnend was man am besten kann, behutsam und erfolgreich weiterentwickelt ohne sich von Indie- und Elektrohypes anstecken zu lassen.
Montag, 26. April 2010
Jean-Félix